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Nele
Meyer

26.03.2016

Struggle On

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Eigentlich wollte ich diesen Post schon vor einer Ewigkeit geschrieben und veröffentlicht haben. Letztes Jahr habe ich Ende Oktober die Kunstausstellung meiner Klasse angekündigt, und seitdem wollte ich euch mein Projekt zeigen...
Leider weiß ich nicht so recht, wie ich anfangen soll, zu erzählen. Es ist seitdem einfach so viel Unfassbares passiert, dass ich einfach nicht mehr weiß, was ich denken oder fühlen soll.
Mein Projekt nannte ich "Struggle on" (= weiterkämpfen) und zusammengefasst wollte ich einfach aussagen, dass man weiterkämpfen muss - egal was passiert. Und ich bezog das ganze auf die Flüchtlingsproblematik.

Kleine Info am Rande: Das erste Bild in diesem Post hing in den Maßen 1m x 1.50m in unserer Ausstellung "WARUM!", das war ein krasses Gefühl. Bei den Besuchern kam es ziemlich gut an und auch meine Gedanken hinter dem Bild fanden Anklang. Ich konnte mein Bild sogar verkaufen, womit ich nie im Leben gerechnet hätte.

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"In meinem Bild geht es um zwei Themen, die stark ineinander übergehen. Es geht um das persönliche Leiden eines Menschen, sowie um das Leiden der Flüchtlinge.  
Jeder Mensch wird in seinem Leben mit schwierigen Situationen konfrontiert, unter denen er teilweise leidet. Jedoch kämpfen wir dagegen an und machen weiter, auch wenn es schwer ist. Darüber hinaus versuchen wir unter allen Umständen, unsere Würde und unseren Stolz zu bewahren. 
Das möchte ich durch den Gesichtsausdruck, der auf der einen Seite leidend aussieht, aber auf der anderen Seite auch stolz und würdevoll wirkt, sowie durch die ungleichmäßig aufgetragene Farbe zeigen. Die Farbe sieht durch die Ungleichmäßigkeit aus wie Dreck. Metaphorisch gesprochen liegt jeder Mensch einmal im Dreck oder am Boden, und aufgrund dessen symbolisiert die Farbe das Leiden.  
Diese Gedanken kann man auch auf die Flüchtlinge beziehen. Mit meinem Bild möchte ich nicht meine Meinung zu der Thematik kundtun, sondern lediglich dazu anregen, sich einmal in die Lage der Flüchtlinge hinein zu versetzen und sich vorzustellen, wie es uns an ihrer Stelle ginge. 
Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass wir alle gleich sind. Auch wenn wir uns in unserer Herkunft, Hautfarbe, Religion und vielleicht auch in unseren Ansichten, Werten und Normen voneinander unterscheiden, so haben wir immer noch dieselben Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle. 
Zusammengefasst sagt mein Bild im Bezug zum Thema „Leiden-schaf(f)t“ aus, dass aus Leid etwas positives entsteht, weil wir daran wachsen und „stärker“ werden."

Das war damals die Interpretation, die ich zu meinem Bild geschrieben hatte. Wie gesagt, seitdem ist so viel Unfassbares und so viel Grausames geschehen. Ich weiß nicht, wie oft in den Medien von Terror-Anschlägen, Vergewaltigungen, Brandanschlägen auf Flüchtlingsheime, sowie Übergriffe auf Flüchtlinge berichtet wurde.
Ich habe aufgehört, die Tagesschau zu sehen, Radio zu hören und Zeitung zu lesen. Weil ich das nicht mehr sehen, hören oder lesen will und auch nicht mehr kann. Diese negativen Schlagzeilen machen mich wahnsinnig, aber vor allem machen sie mir Angst.
Ich möchte keine Vorurteile gegenüber Menschen haben, die aus Angst vor Krieg und Terror, oder aus ganz anderen Gründen, die ihre Existenz bedrohen, zu uns kommen, in der Hoffnung, ein besseres Leben führen zu können. Aber ich möchte mich auch nicht bedroht in meinem Heimatland fühlen und bei jedem Terroranschlag denken, dass der nächste meine Liebsten oder mich treffen könnte. Ich möchte nicht in der U-Bahn sitzen und mir Sorgen machen, dass Mensch neben mir ein Terrorist sein könnte.
Es tut mir unendlich Leid, dass sich all diese Gedanken wieder und wieder in meinen Kopf schleichen, denn ich finde das nicht fair. Nur leider kann ich es auch nicht ändern, denn die Medien lassen mir keine Wahl und selbst wenn ich versuche, all dem auszuweichen, verfolgen sie mich in der Bahn, in der Schule, auf der Arbeit - einfach überall. 

Ich kann das nur einfach nicht nachvollziehen. Es gibt keine greifbare Lösung für dieses Thema und die Lage schein immer schlimmer zu werden. Aber ich frage mich einfach nur, warum es Krieg und Terror, Mord und Totschlag und all die grauenvollen Dinge geben muss. Warum können wir Menschen nicht in Frieden miteinander leben, einander respektieren und freundlich miteinander umgehen? Das verstehe ich nicht. Es ist doch vollkommen egal, wo man her kommt, welcher Religion man sich zugehörig fühlt, oder wie man aussieht.

Wir sind alle Menschen.

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Kommentare:

  1. Dieser Post ist wirklich beeindruckend!
    Ich finde es immer sehr interessant zu erfahren, was sich jemand beim Fotografieren/Malen gedacht hat und was er zum Ausdruck bringen möchte. Deine Fotos sind wirklich sehr ausdrucksstark und gerade in Kombination mit deinen Worten hinterlassen sie bei mir ein eigenartiges Gefühl.
    Es verschlägt mir einfach die Sprache, was momentan in unserer Welt vor sich geht - leidende Menschen, Terror und Ängste...
    Liebe Grüße

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    1. Vielen lieben Dank!
      Es ist irgendwie ... "nett" zu wissen, dass mein Projekt immer noch eine gewisse Wirkung auf den Betrachter hat!

      Ich hatte anfangs irgendwie die Hoffnung, dass sich das Thema auch irgendwann erledigen würde, wie die Griechenland-Kriese oder so, aber ich schätze, das hier ist etwas ganz anderes ...

      Liebe Grüße zurück

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  2. Wow, unglaubliche Bilder! Dieser Kontrast ist echt wunderbar. Und die Message ist echt gigantisch. Da bekommt man Gänsehaut, aber mehr noch wenn man die Bilder in riesig sieht denke ich! Also wahnsinnig toller Post!

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    1. Vielen lieben Dank, das freut mich wahnsinnig zu hören! - Trotz des ernsten Hintergrundes...

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